Musik für die Heiligen

Hildegard von Bingen und Adam de Saint Victor
 

„Meditationen“ vereint Werke der populären Mystikerin und Komponistin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) und Sequenzen ihres weitgehend unbekannten Zeitgenossen Adam de Saint-Victor (+ 1197 ?) in einer außergewöhnlichen, modernen Interpretation.

Weit weg von allen historischen Ansätzen bringen der Bariton Hartmut Schulz und die Pianistin Margita Linde die Stücke durch eine behutsam ergänzte, fast impressionistische  Klavierbegleitung in eine für heutige Zuhörer zugängliche Form. 

Ausgewählt wurden dafür Werke beider Musiker, die sich historischen Heiligen, den mittelalterlichen Nachfolgern Christi als Märtyrer und als Kirchenväter widmen - Werke also, die nicht die Transzendenz und Mystik der christlichen Lehre feiern, sondern Bezug zum Leben und der Wirklichkeit des Mittelalters haben.

Der Hörer begegnet dem ersten Trierer Bischoff Eucharius und der Heiligen Genoveva, der Schutzheiligen von Paris. Und mit seinen Sequenzen auf Thomas Becket - den Heiligen Thomas von Canterbury - wendet sich Adam de Saint-Victor sogar an eine Person aus seinem Bekanntenkreis. 
 
Wer waren die beiden Komponisten?
   
Komponistin entrückter Melodien für ein Kloster adliger Fräulein hoch über dem malerischen Rheintal, naturnahe Heilerin und Visionärin von  sprühender, zutiefst mystischer Wortgewalt - all dies war Hildegard von Bingen sicherlich und diese Qualitäten machen sie über 900 Jahre hinweg heute zum "Star". Wenn die Gerüchte stimmen, wird Hildegard von Bingen in diesem Jahr noch von der katholischen Kirche zur Heiligen und zur Kirchenlehrerin erhoben, ein Status, den sie im Herzen vieler ihrer Anhänger längst inne hat.
   
Adam de Saint-Victor hingegen ist einer der großen Unbekannten der mittelalterlichen Musik. Er schrieb seine Werke ausschließlich für den Gebrauch in seinem direkten Umfeld - dem Kloster Saint-Victor in Paris, dessen Namen er trägt und dem er Zeit seines Lebens verbunden war. Nur Weniges ist bekannt über ihn, der seinen Zeitgenossen schon als Inbegriff poetischer Vollendung in der geistlichen Lyrik galt.
     
So gegensätzlich wie ihr Leben – hier die extrovertierte Mystikerin, dort der zurückgezogene Mönch – ist auch die Musik der beiden. Hildegard fasst ihre Klangvisionen in weit ausholende, schweifende Klangkaskaden, die die Grenzen der mittelalterlichen Musik ausloten. Adam de Saint-Victor hingegen zeichnet sich durch eine geradezu volksliedhafte Gesanglichkeit aus.
 
           

INFO
 
Programm:
Hildegard von Bingen/ O successors fortissimi, O Euchari in leta via; Columba aspexit; O felix apparicio
 
Adam de Saint Victor/ Gaude, Syon, et letare, Splendor Patris et figura, Genovefe sollempnitas, Superne matris gaudia


   
Dauer: ca. 60 Minuten
   
Weitere Informationen: pdf Infoblatt 'Meditationen'